Spielwiese Wien http://spielwiese.blogsport.de Spiele, die die Stadt verändern Thu, 16 Aug 2012 21:11:43 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Radikale Mieter_innenbewegung in Wien? http://spielwiese.blogsport.de/2012/08/16/radikale-mieter_innenbewegung-in-wien/ http://spielwiese.blogsport.de/2012/08/16/radikale-mieter_innenbewegung-in-wien/#comments Thu, 16 Aug 2012 21:11:43 +0000 spielwiese Allgemein http://spielwiese.blogsport.de/2012/08/16/radikale-mieter_innenbewegung-in-wien/ In der letzten Ausgabe des Augustin wurde die Hoffnung formuliert, dass die Auseinandersetzung der Mühlfeldgasse zu einer Bildung einer Mieter*innenbewegung auch in Wien führen könnte. Ich bin da weniger optimistisch, der letzte Versuch, etwas in dieser Richtung zu unternehmen, war die Kampagne „Platz da!?“, die dank langsam eingeschlafener Beteiligung nur noch im Netz existiert. Aber mensch soll die Hoffnung ja nicht aufgeben, die Notwendigkeit für eine solche Bewegung besteht auf jeden Fall. Und da an diesem Samstag wieder eine Demo unter dem Motto „Die Scheiss Miete ist zu hoch“ mit anschließendem Vernetzungstreffen ist, steuere ich mal hier einen Text der Linkswende bei:

Der halbe Lohn an den Vermieter

Die Mieten explodieren, eine Eigentumswohnung ist unleistbar, die Hälfte des Einkommens fließt in die Unterkunft – Wohnen in Wien wird immer schwieriger. Dietmar Meister analysiert, was falsch läuft und was geändert werden muss.

Das waren noch Zeiten, als die sozialistische Stadtregierung versucht hat, die Wohnungsnot in Wien mit einem umfassenden Wohnbauprogramm in den Griff zu bekommen. Prachtbauten wie der Ende der 1920er Jahre errichtete Karl-Marx-Hof machten Wien zur Vorzeigestadt. Strom und fließendes Wasser wurde in die Wohnungen geleitet, eine umfassende Kinderbetreuung angeboten, Bibliotheken, Waschküchen und Spielplätze eröffnet. Finanziert wurde das Ganze mit den so genannten »Breitnersteuern«, mit welchen das begüterte Bürgertum zur Kasse gebeten wurde. Zwischen 1923 und 1934 wurden so über 65.000 Wohnungen für 220.000 Arbeiterinnen und Arbeiter gebaut.

Wirtschaftlich statt sozial

Heute ist Wien immer noch mehrheitlich sozialdemokratisch regiert – in Sachen Wohnen sucht man die rote Handschrift bald vergeblich. Die ehemals städtische Wohnbaugesellschaft »Wiener Wohnen« wurde ausgegliedert und somit der demokratischen Kontrolle durch den Gemeinderat entzogen. Nun müsse man »wirtschaftlich« arbeiten, heißt es. Noch schlimmer ist, dass die Stadt schon seit 2004 keine Gemeindebauten mehr errichtet und dies auch in Zukunft nicht vorhat. Fragt man nach den Gründen, heißt es, private Bauträger würden ganz einfach billiger bauen. Dabei bewerben sich immer mehr Menschen um eine Gemeindewohnung – mittlerweile muss man eine Wartezeit von bis zu fünf Jahren für eine solche einplanen. »Die Anzahl der frei werdenden Wohnungen ist weitaus geringer, als die Zahl der vorgemerkten Interessentinnen und Interessenten«, lautet der trockene Kommentar dazu auf der entsprechenden Internetseite der Stadt Wien. Doch die Förderung des privaten Bauens und der Verzicht auf neue Gemeindebauten bringen noch mehr Probleme mit sich.

Kein Mieterschutz

Das größte Problem sind die fehlenden Rechte der Mieterinnen und Mieter. Private Neubauten fallen grundsätzlich nicht unter das Mietrechtsgesetz, was dazu führt, dass weder Kündigungsschutz besteht noch eine gesetzliche Obergrenze für den Mietzins. So kommt es, dass mehr als 60 Prozent aller privaten Neuvermietungen befristet sind – meist mit weniger als fünf Jahren. Vor allem aber steigen die Preise unaufhörlich. Die Mietpreise am privaten Markt sind allein zwischen 2006 und 2010 um 25 Prozent gestiegen – ein Ende des Anstiegs ist nicht in Sicht. Im Jahr 2007 hat man in Wien durchschnittlich 9,41 Euro Miete pro Quadratmeter gezahlt. Will man sich heute innerhalb des Gürtels niederlassen, zahlt man bereits 14,50 Euro pro Quadratmeter, für eine Zweizimmerwohnung im achten Bezirk verlangen Vermieter sogar bis zu 25 Euro – das heißt 1.000 Euro für 40 Quadratmeter Wohnfläche.

Eine Million für zwei Zimmer

Wer sich nach einer Eigentumswohnung umschaut, wird noch größere Augen machen. Denn in den letzten vier Jahren sind die Kaufpreise für gebrauchte Eigentumswohnungen um knapp 50 Prozent gestiegen. Eine 54 Quadratmeter kleine Zweizimmerwohnung im dritten Bezirk kostet laut Inserat auf wohnnet.at aktuell 317.000 Euro bzw. ganze 5.870 Euro pro Quadratmeter. Für eine ähnliche Wohnung in der Innenstadt verlangt »Vienna Immobilien« unfassbare 1.140.000 Euro. Immobilienfirmen haben die Kaufpreise mittlerweile auf ein Niveau gehoben, auf dem es für einen Arbeiter unmöglich ist, eine Eigentumswohnung zu erwerben bzw. den Kredit für eine solche irgendwann abzubezahlen. Was bleibt, ist weiterhin Miete zu zahlen.

Der halbe Lohn für die Miete

Im Roten Wien der 1920er Jahre trat die SPÖ dafür ein, dass Arbeiter nicht mehr als vier Prozent ihres Einkommens für die Miete ausgeben sollten. Heute sucht man vergeblich nach einer derartigen Forderung aus den Reihen der Sozialdemokratie. Die Realität ist nämlich sehr weit davon entfernt: Laut einer Studie der Arbeiterkammer geben Personen in privaten Mietwohnungen in Wien durchschnittlich 43 Prozent ihres Einkommens für die Miete aus. Unter 30-jährige geben durchschnittlich sogar 59 Prozent ihrer Einkünfte an den Vermieter weiter. Sogar bei höheren Einkommen (über 1.500 Euro netto pro Monat) machen die Mietkosten noch rund ein Drittel des Haushaltseinkommens aus – dabei sind die Kosten für Strom und Gas bzw. für die Heizung noch gar nicht eingerechnet. Jeder Sechste ist finanziell nicht in der Lage, die Wohnung im Winter angemessen zu heizen. Genauso viele können sich notwendige Arzt- oder Zahnarztbesuche wegen der zu erwartenden Kosten nicht leisten. Noch höher (je 30 Prozent) sind die Anteile jener, die sich nicht jedes Jahr eine Woche Urlaub oder bei Bedarf neue Kleider kaufen können.

Was schon Otto Bauer wusste

Um die aktuellen Probleme rund ums Wohnen zu lösen, müsste vor allem ein neues Mietrechtsgesetz beschlossen werden. Dieses müsste einerseits alle Neubauten miteinschließen und es andererseits den Vermietern erschweren, willkürlich den Mietzins zu erhöhen, indem eine undurchlässige Obergrenze festgesetzt wird. Darüber hinaus ist es unerlässlich, dass sich die Sozialdemokratie auf ihre Wurzeln besinnt und die Stadt das Bauen wieder selbst in die Hand nimmt. Denn, wie der Sozialdemokrat Otto Bauer bereits 1928 erkannte, sind private Bautätigkeit und Mieterschutz nicht vereinbar.

Anmerkung: Ich bin kein besonderer Freund der verschiedenen K-Gruppen. Zu sehr klingen ihre Texte wie Platten, die hängengeblieben sind -leider sind da viele „undogmatische“ auch nicht viel besser- zu träumerisch ihre Fixierung auf die Arbeiter*innenklasse. Aber den Text find ich trotzdem ganz in Ordnung (das „auf ein Niveau gehoben, auf dem es für einen Arbeiter unmöglich ist“ hätten sie sich sparen können, was ist mit den Arbeitslosen, mit den Alleinerziehenden, und den Arbeiterinnen?, aber na gut…).
Die Frage ist, wenn es eh soviele Leute gibt, die momentane Situation am Wohnungsmarkt unerträglich finden, wiese gibt es dann keine Mieter*innenbewegung??

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Radikale Mieter_innenbewegung in Berlin! http://spielwiese.blogsport.de/2012/08/16/radikale-mieter_innenbewegung-in-berlin/ http://spielwiese.blogsport.de/2012/08/16/radikale-mieter_innenbewegung-in-berlin/#comments Thu, 16 Aug 2012 20:28:22 +0000 spielwiese Allgemein http://spielwiese.blogsport.de/2012/08/16/radikale-mieter_innenbewegung-in-berlin/ Berlin hat eine lange und offensive Geschichte der Hausbesetzungen und Raumaneignungen, doch es ist eben Geschichte und nicht Gegenwart. In den letzten Jahren scheiterten praktisch alle neuen Besetzungsversuche an der Berliner Linie-Räumung innerhalb von 24h. Dafür wurden einige fast schon traditionelle Squats geräumt (Brunnen 183 und Liebig 14 als bekannteste Beispiele).
Doch in letzter zeit hat sich der Fokus merkbar verschoben. Nun geht es aber nicht so sehr zum Szene –Freiräume sondern es geht darin um viel Grundlegenderes: Es geht um Miete, um das Grundbedürfnis und das Menschenrecht nach Wohnen, dass im Kapitalismus eben nur im Austausch gegen Geld, und dadurch für einige armmachend ist (und für ein paar andere unerreichbar ist). Es geht um das Schlagwort Gentrifizierung, die Vertreibung ärmerer Menschen aus gehypten Stadtviertel.
Träger*innen dieser neuen Bewegung sind vor allem Kiezinitiativen, sprich vor allem Bewohner*innen eines Viertels. Dabei treten immer wieder Akteuer*innen auf, die bislang wenig politisch aktiv waren. In letzter Zeit kommt es dabei auch zu einigen aufsehenerregenden Aktionen.
Am 26.Mai errichteten Mieter*innen des Kotti ein Protestcamp/Gecekondu. Grund ist die steigende Miete und die fehlende Mietobergrenze, was zu einer ständigen Verteierung und einer Vertreibung der alter Mieter*innen führt. Neben einem reichhaltigen Programm gibt es jeden Samstag eine Lärmdemo, die starke Unterstützung findet.
Genau die gleichen Probleme kennt Frau Nuriye Cengi. Die Rollifahrerin soll mit miesen tricks und orbitanten Mietsteigerungen aus ihrer Wohnung vertrieben werden. Zu ihrer Unterstützung hat sich ein soldarisches Bündnis unter dem Namen „Zwangsräumung verhindern!“ gebildet.
Ein anderes Camp entstand im Mai an der Cuvrybrache. Dieses Gebiet ist schon länger umkämpft. Hier sollte ein Teil der Mediaspree, eine Reihe „kreativer“ Hochhäuser entsthehen, dagegen gibt es schon lange Widerstand („Spreeufer für alle!“). Eine Räumungsankündigung der Eigentümer für den 24.Juli verstrich ohne Konsequenz- das Camp existiert weiter.
Sichtbar wurde der Widerstand auch bei einer Tagung der Immobilienwirtschaft am 18. und 19. Juni. Neben einer großen Demo wurde ein Bus, der Spekulant*innen zur ihrem Abendessen brigen sollte, mehrfach blockiert. Dazu gab es militante Begleitmusik in Form von mehreren Farbanschlägen.
Dass hier zum Teil ganz neue Akteuer*innen aktiv werden, wird vor allem bei der Besetzung der Stillen Strasse 10 in Pankow deutlich. Als Senior*innen ihr Seniorenclub wegen Einsparungen verlieren sollten, wurde dieser kurzerhand Ende Juni besetzt. Die Besetzung dauert bis heute an.
Daneben gibt es die fast schon üblichen subkulturellen Platzprobleme. Die KvU ist in ihrer Existenz (von einer Wiener Immofirma!) bedroht, womit nicht nur ein Stück Punkrock, sondern ein Stück gelbete Geschichte (die KvU spielte eine nicht unwesentliche Rolle beim Untergang des autoritären kommunstischen Gebildes DDR) verloren zu gehen droht. Auc der Wagenplatz Rummelplatz ist räumungsbedroht.

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Muzeum vs Reallife http://spielwiese.blogsport.de/2012/08/15/muzeum-vs-reallife/ http://spielwiese.blogsport.de/2012/08/15/muzeum-vs-reallife/#comments Wed, 15 Aug 2012 13:03:26 +0000 spielwiese Allgemein http://spielwiese.blogsport.de/2012/08/15/muzeum-vs-reallife/ Ich hatte einige Bedenken, mir die „Besetzt!“ im WienMuseum Ausstellung anzuschauen. Es ist komisch, wenn Besetzungen mehr im Museum als in der Stadt passieren; nach der „Hands on Urbanism“ Ausstellung im AZW ist dies schon die zweite Ausstellung in diesem Jahr zum Thema Besetzungen und Raumnahme. Wenn soziale Bewegungen musealisiert und historisiert werden, wird ihnen die Gefährlichkeit und damit ihr Veränderungspotential genommen.
Im konkreten Fall wars nicht so schlimm. Zum Glück waren die Werbeplakate ein Schwindel, auf die aktuelle Besetzungsbewegungen wird so gut wie gar nicht eingegangen. Es wird fast ausschließlich die Zeit zwischen Amerlinghaus, Arena(1976) und EKH(1990) behandelt. Dabei konnte ich das eine oder andere Neue erfahren, dass ich so bislang noch nicht gewußt habe. Dass es z.B. eien Öködorf im Prater gab, war mit neu.
Die Ausstellung war großteils visuell. Das war einerseits großartig, di Menge an Fotis, Videos und Plakate machen Eindruck. Andererseits fehlten mir etwas die Diskussionen, die unterschiedlichen Zugänge zum Thema und das, was die Leute damals erreichen wollten. Ärgerlich war auch die zwanghafte Bezugnahme auf die Gegenwart. Was ein Putzplan aus dem Jahr 2011 in der Ausstellung verloren hat, wird wohl für immer ein Rätsel bleiben.
Als ich die Ausstellung verlies, kam ich in die „Schutzzone“ Karlsplatz: Unbegründetes Stehenbleiben verboten, Wegweisung durch die Polizei jederzeit möglich. Nicht ungefährlich musealisert, sondern eine reale Gefahr für die Menschen, die sich dort aufhalten. Das ist das, was blieb: Die Räumung als Dauerzustand!

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Lust auf Pizza? http://spielwiese.blogsport.de/2012/08/09/lust-auf-pizza/ http://spielwiese.blogsport.de/2012/08/09/lust-auf-pizza/#comments Thu, 09 Aug 2012 19:04:08 +0000 spielwiese Allgemein http://spielwiese.blogsport.de/2012/08/09/lust-auf-pizza/ Dann am besten am Sontag Abend in die Pizzeria in der Mühlfeldgasse 12. Die haben grad mächtig Stress mitz den Eigentümer. Wer am laufenden bleiben will, dem kann ich die Tweets von Maomjetzt empfehlen.
Und hier geibt es noch ein Versprechen: Hier werden in nexter Zeit ein paar Texte zu Artverwantem auftauchen: Mieter*innenbewegung, Besetzungen, Gentrification und Vetreibungspolitik in Leopoldstadt,..
Ich hoff nur, dass ich das Versprechen auch halten kann….

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Stadt der Verbote http://spielwiese.blogsport.de/2012/08/06/stadt-der-verbote/ http://spielwiese.blogsport.de/2012/08/06/stadt-der-verbote/#comments Mon, 06 Aug 2012 09:29:02 +0000 spielwiese Allgemein http://spielwiese.blogsport.de/2012/08/06/stadt-der-verbote/ Gestern waren ein paar FreundInnen und ich am Wienfluss grillen; so am Stadtrand, wo der Fluss noch nicht ganz so dreckig und sogar noch ein bisschen wild ist. Wir fanden ein schönes Plätzchen direkt am Wasser, mensch konnte planschen, andere Menschen gab es fast nicht.

Also alles perfekt, schöner Ort, nette Stimmung, kühles Wasser, Sojawürstel am Grill, wenn…

Ja, wenn nicht 2 sportliche Männer mit ihren Fahrrädern dahergekommen wären. Sie sagten, sie arbeiten für die MA irgendwas, und meinten, wir könnten hier ohne Probleme bleiben, nur halt ohne Grill, Gas, Feuer oder sonstigem. In der Nähe gäbe es einen offiziellen Grillplatz, dort könnten wir grillen, Hier müsse der Grill weg.

Nach einer kurzen Diskussion untereinander -Stressfreiheit vs. Grillfreiheit- entschieden wir uns für die Stressfreiheit und übersiedelten auf den offiziellen Grillplatz. Das erste, was uns dort auffiel, war ein Tisch mit einem Sonnenschirm mit der Aufschrift „Grillplatzmeister“. Zuerst dachten wir an einen Scherz von einem hier Grillenden. Es war keiner. Nach einer Weile kam der Grillplatzmeister mit gelber Warnweste und meinte, wir können hier nicht grillen; wir müssten ein paar Meter weiter gehen.

Achja, als wir später den Platz verliesen, fiel uns ein Riesenschild „Grillen verboten“ auf.

Wie, du wärst echt eine schöne Stadt, wenn du nicht jeden Furz verbieten, reglementieren und kontrollieren müsstest.

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Die Stadt – von den Rändern gedacht http://spielwiese.blogsport.de/2011/05/17/die-stadt-von-den-raendern-gedacht/ http://spielwiese.blogsport.de/2011/05/17/die-stadt-von-den-raendern-gedacht/#comments Tue, 17 May 2011 16:06:51 +0000 spielwiese Allgemein http://spielwiese.blogsport.de/2011/05/17/die-stadt-von-den-raendern-gedacht/ Endlich ein Gastbeitrag….
….nein, einfach von einem anderen Blog geklaut:

Die Stadt – von den Rändern gedacht

Das Foto ist aufgenommen bei einer Demonstration gegen Leerstand in Hamburg 2010. In Hamburg gibt es eine Wohnungsnot, während gleichzeitig über eine Millionen qm2 Bürofläche leer stehen. Und nach wie vor wird Büroraum (der steuerlich absetzbar ist) gebaut. Der Luftballon schwebt vor einem fast unvermieteten noblen Bürogebäude auf St. Pauli. Was man hier nicht sieht ist, dass unten Polizeibeamte den Turm vor den Demonstrierenden abschirmen. Was an dem Bild deutlich wird ist der Konflikt: Während mit Büroraum immer noch Profite gemacht werden, selbst wenn er unvermietet bleibt, verzweifeln diejenigen, die in der Hansestadt günstigen Wohn- und Arbeitsraum suchen und sich die explodierenden Mieten nicht mehr leisten können. Die 3.000 Menschen, die hier symbolisch Einlass in den Turm fordern, fordern neben günstigen Wohnraum auch eins: mitzubestimmen, wie ihre Stadt gestaltet werden soll.

Kurz zum Begriff: Der Begriff Recht auf Stadt geht zurück auf den französischen Philosophen Henri Lefèbvre, der bereits in den 1960er Jahren beobachtet hatte, wie vor allem MigrantInnen an den Rand der Stadt verdrängt wurden. Daraus hat er die Forderung nach einem kollektiven Recht auf Stadt abgeleitet. Es ist ein Recht auf Zugang zu den Ressourcen einer Stadt, ein Recht auf Zentralität, auf Teilhabe und – ganz wichtig – ein Recht auf Differenz, auf Unterschiedlichkeit, auf anders sein können, also genau das Gegenteil eines Normiert-Werdens. Es ist das Gegenteil einer Homogenisierung, die doch so symptomatisch für die neoliberale Stadt ist.

Oft wurde das Verhältnis des Menschen zur Stadt als entfremdet erlebt und beschrieben. Man denke an Engels Beschreibungen des frühkapitalistischen Londons mit seinem unglaublichen Elend, an die Expressionisten oder an Mitscherlichs Analyse der „Unwirtlichkeit unserer Städte“. Für mich am eindrücklichsten thematisiert die Entfremdung in Stadt die feministische Künstlerin Valie Export. In einer Fotoreihe, die von Anfang bis Mitte der 1970er Jahre entstand, sucht sie sich Orte in der Stadt und versucht, im wahrsten Sinne des Wortes, sich dazu zu verorten und ihren Platz zu finden. Hier zu sehen, die Arbeit „Einkreisung“ von 1976:

Einen Ort in der neoliberalen Stadt zu finden, ist schwierig, da Stadtplanung und Politik sich nicht am Gebrauchswert von Stadt orientieren – also daran, wie ein möglichst gutes Leben für alle ermöglicht wird – sondern am reinen Tauschwert: Wie kann Profit maximiert werden? Ich konsumiere, also darf ich sein. Wie könnte eine Stadt aussehen, die nicht entfremdet, die nach den Bedürfnissen der BewohnerInnen gestaltet wird? Wie sieht eine Stadt aus, in der alle Menschen Zugang zu den Reichtümern haben, die eine Stadt hervorbringt? Kurz: Wie sieht eine sozialere, gerechte Stadt aus?

Diese Frage wurde den Parteien vor der letzten Bundestagswahl gestellt. Sie sollten für das Hamburger Miniaturwunderland (ein Museum aus Lego) jeweils ein Modell erstellen und dabei ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Die Frage war: Wie würde – aus Sicht der Partei – das ideale Land aussehen, wenn ihr frei gestalten könntet? Utopia 2009 hieß das Projekt, und jede Partei hatte einen Quadratmeter Land dafür zur Verfügung. Wow! Was für eine Chance, die Stadt mal jenseits von Haushaltsplanungen und realpolitischen Überlegungen zu denken: Die Utopie einer ganz anderen Stadt zu entwickeln; ein (in Anlehnung an Bloch) „Noch-Nicht im Sinne einer Möglichkeit“. Da lasse ich mich doch gern von unseren Volksvertreterinnen und -vertretern inspirieren. Wie sähe also eine Stadt aus, in der ein Recht auf Stadt verwirklicht ist?

Die CDU erhält den ersten Preis für Abstraktion. Wir sind das Volk. Ein Land aus vielen Menschen, die Fähnchen hochhalten, darauf steht: „Arbeit für alle“, „Sicher leben“, „Die Krise überwinden“ oder „Integrationsland“. Interessanter Weise wird dieses Fähnchen von den einzig nicht-weißen Figuren auf dem Modell gehalten. Praktisch, da weiß man gleich, wer sich wo integrieren soll; Weiter zur CSU.

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Klares Motiv: Bayern in Berlin mit Oktoberfest und Blaskapelle. So sieht das also Idealland der CSU aus: Dirndl und Maß Bier für alle! SPD und FDP? Gäh, das lass ich wegen vergleichender Irrelevanz hier mal weg. Eine Verbindung gibt es jedoch zwischen beiden Entwürfen: Während im Modell der SPD ein Kindergarten aus städtischen Mitteln bezahlt wird, baut man bei der FDP stolz mit „privaten Geldern“. Utopia – ich hör dir trapsen! Der unaufhaltsame Abwärtstrend dieser beiden Parteien ließe sich sicherlich auch mit dieser Fantasie- und Perspektivlosigkeit erklären . Weiter geht’s:

Hier unschwer zu erkennen, der Entwurf de Grünen. Kaum verwunderlich mit viel Natur- und Solarzellen in der Stadt. In dem Haus vorne links mit dem grünen Dach tagt oben ein Vorstand, der als Vorsitzende eine Frau hat; Das folgende Detail möchte ich euch nicht vorenthalten: Punk trifft Polizei und es kommt zu einer historischen Versöhnung am Biertisch:

Und die Linke? Welche Utopie von Stadt verfolgen die Genossinnen und Genossen?

Welch Überraschung! Es ist Berlin! Es wird demonstriert für Gerechtigkeit, gegen Privatisierung und gegen Nazis. Vielleicht auch gegen Rot-Rot in Berlin, wer weiß das schon so genau? Das Leben als Dauerdemo. Also, ich kann mir Besseres für die Zukunft vorstellen. Gregor Gysi war zur Einweihung des Modells in Hamburg und fand es ganz pfiffig, dass die LINKE sich der Aufgabe widersetzt hat. Ich finde: Ganz schön erbärmlich, eine Linke, die sich nicht mehr traut, utopisch zu denken.

Warum ich das zeige? Ich möchte euch einladen, über den Tellerrand der Realpolitik hinauszublicken und zu überlegen, wie eine grundsätzlich andere Stadt aussehen könnte. Bauen wir im großen Stil Wolkenkuckucksheime, die ihre Realisierung suchen und finden. Meiner Erfahrung nach wird in stadtpolitischen Diskussionen viel zu schnell in den realpolitischen Gang runter geschaltet, statt mal in die Gänge oder die Luftschlösser einer völlig anderen Stadt zu kommen und davon ausgehend um eine Materialisierung einer ganz anderen Stadt zu kämpfen. Auch Henri Lebfebvre wurde in einem Interview gefragt, wie sieht eine utopische Stadt aus? Er geriet ins Stocken: Man müsste als erstes die Sprache neu erfinden, um dies überhaupt formulieren zu können, sagte er, unser ganzes Denken, unsere Vorstellungen über die Stadt sind durchzogen von einer kapitalistischen Logik, von Kategorisierungen und Ausschlüssen.

In einer hierarchischen Gesellschaft gibt es keinen Raum, der nicht hierarchisch organisiert ist. Dies gilt z.b. für das klassische Setting eines Podium, wo das Publikum mehr oder weniger durch die Raumordnung dazu gezwungen ist, mir zuzuhören. Dies gilt aber auch für die Stadt insgesamt. Soziale Fragen sind immer im Raum eingeschrieben. Raum ist weder eine vor- noch eine nachgeschaltete Instanz des Sozialen. Das Soziale entfaltet Raum und erschafft Raum. Und: Ein städtisches Programm, das tatsächlich die Menschen und ihre Bedürfnisse an die erste Stelle setzt und eben nicht die Ökonomie, wird das kapitalistische System von sich aus nicht hervorbringen. Schließlich geht es um die heiligste Kuh der Privatwirtschaft überhaupt: den Besitz von Boden und Immobilien. Der US-amerikanische Geograph David Harvey spricht aus diesem Grund auch davon, dass wir uns das Recht auf Stadt erkämpfen müssen. Es geht um Aneignung und um eine Umverteilung der gesellschaftlichen Reichtümer.

So viel ist klar: Es kann kein fertiges Modell von Stadt im Sinne einer Idealstadt geben. Stadt ist nichts Statisches, sondern in Bewegung. Die Utopie einer ganz anderen Stadt ist ortslos. Es geht also nicht um das Auspinseln eines neuen, städtischen Fertighauses, sondern darum, mehr Sensibilität zu entwickeln in Bezug auf die eigenen Ausschlüsse und Begrenzungen. Recht auf Stadt ist keine Masterplan, der sich von oben durchdrücken lässt. Es ist das Gegenteil einer Politik, die immer schon weiß, was das Richtige für alle ist und wie die Stadt auszusehen hat. Kein Leitbild, kein 5-Jahresplan und erst recht keine Computersimulation, wie sie InvestorInnen, StadtplanerInnen und ArchitektInnen so lieben, bei der man durch glitzernde 3-D-Welten fliegt – vorbei an virtuellen Mittelschichts-Mehrheitsgesellschafts-Menschen, die in ihrer auffälligen 0815-Konformität einen Blick auf den verengten planerischen Horizont geben.

Henri Lefebvre ging davon aus, dass neue Raumerfahrungen auch zu Sprüngen im politischen Bewusstsein führen können. Gleichzeitig können bestimmte Räume auch Ohnmacht herstellen. Er empfahl (in Anlehnung an die Situationisten) die Stadt genau zu erkunden und Umherzuschweifen /dérive. Ich schlendere also durch den Raum. Wie wirkt er auf mich? Einschüchternd? Vertraut? Ich flaniere durch die Stadt, suche meinen Platz. Passt es? Wie soll die Stadt sein? Was wünsche ich mir? Was wünschen sich andere? Wer verschafft sich mit seinen Interessen Gehör? Passe ich hier rein? Wer darf hier sein und wer nicht?

Ich hab noch ein weiteres Bild mitgebracht. Ein Ort an dem für mich – ganz subjektiv (!) – das Möglich-Unmögliche einer anderen Stadt durchschimmert: das Wonder Weel in Coney Island. Wichtig: Es schimmert durch, es deutet und regt an – es ist keine Realisierung!

Am Rand von New York gelegen, am äußersten Zipfel von Brooklyn, direkt am Meer. Ich steige in die bunte Gondel, die swingt und fahre an den braunen Sozialbauten entlang in die Höhe. Ein Blick, den unendlich viele EinwandererInnen, die in New York ihr Glück suchten, hatten. In weiter Ferne: Manhattan. Sehnsuchtsort, Verheißungen von Erfolg und die Angst, vor der Brutalität des Scheiterns. Am Boden angekommen: Der in die Jahre gekommene Luna Park, vom Meerwind verwitterte Farben, ein Ort, dem man das Geworden-Sein von Stadt ansieht. Bis in die 1990er Jahre hinein galt Coney Island als zu gefährlich für TouristInnen. Ein handgemalter Shrimps mit Frack & Fliege preist seinen Verzehr an. Jemand bietet schlechte Tatoos an. Ein paar Drag-Queens bereiten sich auf die Meermaid-Parade vor und basteln an trashigen Kostümen. Keine Identität kann sich sicher sein, die einzige zu sein. Die Stadt von den Rändern gedacht – ist brüchig, hybride, durchlässig. Das Nichtthematisierte, Ausgegrenzte fordert vehement seinen Platz. Alles, war entsteht, ist bereits im Entstehen wieder im Begriff zu zerfallen. Eine Stadt aus Leidenschaft, eine Stadt in permanenter Veränderung, eine Stadt der verdichteten Unterschiedlichkeit.

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* Diesen Input hat Nicole Vrenegor Mitte März 2011 auf dem Kongress „Wem gehört die Stadt“ der Linken Ratsfraktion in Düsseldorf gehalten.
** Den Lunapark gibt es in dieser Form nicht mehr. Der Park wurde 2010 umgestaltet, das Gelände wurde eingezäunt, vieles wurde abgerissen und einem „Launch“ unterzogen. Die Homepage lässt zumindest nichts Verwittertes mehr vermuten.

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q202: Du Kunst Mich Mal! http://spielwiese.blogsport.de/2011/04/20/q202-du-kunst-mich-mal/ http://spielwiese.blogsport.de/2011/04/20/q202-du-kunst-mich-mal/#comments Wed, 20 Apr 2011 22:48:38 +0000 spielwiese Allgemein http://spielwiese.blogsport.de/2011/04/20/q202-du-kunst-mich-mal/ Vorletztes Wochenende(8.-10.April) fand das alljährliche Kunstfest/Atelierrundgang q202 statt. Hauptsächlich findet dies in einem am stärksten von Gentrification betroffenen Gebieten von Wen, dem Karmeliterviertel in Leopoldstadt, statt. Ein guter Zeitpunkt also, die Verbindung von Kunst und Gentrifikation zu untersuchen.

Die Geschichte des Viertels

Die Geschichte des Karmeliterviertels, dessen Name übrigens vom lange dort ansässigen Kloster kommt, hängt stark mit der jüdischen Geschichte Wiens zusammen. Schon früh kam es zu antisemitischen Angriffen und Vertreibungen. 1627 wurden Juden und Jüdinnen aus der Stadt vertrieben und mussten sich im Ghetto im „Unteren Werd“, damals ein sumpfiges Überschwemmungsgebiet, ansiedeln. Doch auch dort waren sie nicht sicher, sie wurden 1670 wieder vertrieben.
Trotz der Repressalien kehrten viele Jüdinnen und Juden in den darauffolgenden Jahrzehnten wieder zurück. Die Gegend rund um den Karmelitermarkt wurde das jüdische Zentrum Wiens. In der Zwischenkriegszeit war ca. die Hälfte der Bewohner_innen der Leopoldstadt jüdisch. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden diese Menschen systematisch verfolgt, vertrieben und ermordet; nur wenige kehrten danach zurück.
In der Nachkrigszeit war dies lange Zeit ein vergessener Fleck in Wien. Es wurde ein sozialer Brennpunkt mit vielen verrotteten Zinshäusern, Wohnungsspekulation, Branntweinern und Prostitution. Erst um die Jahrtausendwende wurde das Viertel wieder entdeckt, die Gentrifizierung begann.

Die Ignoranz der Kunst

Gentrifizierung beschreibt einen Prozess der soziokulturellen Veränderung, wobei Wohlhabende in ärmliche Viertel ziehen, wobei gleichzeitig einkommensschwache Personen vor allem durch Mietpreissteigerungen vertrieben werden. Eine wichtige Pionierfunktion haben dabei Künstler_innen inne. Durch die vielfach prekäre Einkommenslage sind sie auf billige Atelierräume angewiesen. Dadurch bringen sie eine gewisse Lebendigkeit, Bunt- und Offenheit in ein Viertel. Dieses wird plötzlich gehyped, es ist hip und in, dort zu sein, dort zu wohnen, in Folge dessen steigen die Mietpreise, Menschen mit wenig Einkommen müssen umziehen. Auch im Karmeliterviertel läuft es so ab.
Die Lage der Künstler_innen ähnelt damit derer mancher politischen Aktivist_innen. In Spittelberg z.B. wurden sie durch die Besetzung des Amerlinghauses und die Schaffung eines Stadtteilzentrums zu Pionieren der Gentrifizierung. In Berlin sind jene Bezirke besonders gefragt, in denen es in den letzten Jahrzehnten die meisten Hausbesetzungen gab, und dies trotz ihrer eindeutig antikapitalistischen Ausrichtung.
Es wäre somit ziemlich verkürzt, Künstler_innen die Verantwortung am Gentrizizierungsprozess zu geben. Aber immer wieder kommt es zu einer Ignoranz der Rahmenbedienungen. Um wieder auf q202 zurückzukommen: in diesem Jahr wurde den ehemaligen Besetzer_innen des Augartenspitzes die Teilnahme verwehrt, da „Kunst nicht politisch ist“. Damit verkennt Hans Heisz, der Organisator von q202, der diese Aussage tätigte, dass selbst die abgeschiedenste Kunst im Elfenbeinturm ein (Zerr-)Spiegel der Realität und somit auch politisch ist.

Kunst als politisches Aktionsfeld

Gerade im Augartenspitz, aber auch im ganzen Karmelitermarkt und darüber hinaus, zeigt sich, dass Kunst sich im politischen Aktionsfeld bewegt. Der Augarten-Kristall, der am Spitz gebaut werden soll, soll der Konzertsaal der Wiener Sängerknaben werden und ist somit Kunst. Er ist aber auch ein vorläufiger Höhepunkt des Gentrificationsprozess. Anstelle von kleinen Kunstprojekten gibt es Hochkultur. Und gemeinsam mit dem am anderen Ende des Karmeliterviertels neu errichteten Nouvel-Tower ist es ein Einfallstor für eine eventuell einsetzende Supergentrifizierung, die in Richtung Luxuslofts/appartments geht. Der Nouveltower ist zwar architektonisch ansprechend, durch Luxushotel und Designershops ist, genauso wie beim Konzertsaal, das Publikum klar: Tourist_innen und „die oberen 10.000″. Somit liegt es auch im Bereich des Möglichen, dass das Viertel dazwischen ein Luxusviertel wird, und die Gentrifizierung somit sozusagen „die eigenen Kinder frisst.“
Dagegen wird wiederum vor allem mit künstlerischen Mittel agiert, demonstriert, besetzt und blockiert.

Die Verbindung

Die Verbindungen zwischen Kunst und Gentrifizierung sind natürlich größer als hier beispielhaft dargestellt wurde. Immer wieder stellen Immobilienfirmen jungen Künstler_innen leer stehende Geschäftsflächen als Ateliers unentgeltlich zur Verfügung. Sie profitieren mehrfach davon: es kostet ihnen fast nichts, sie bekommen dadurch ein gutes Image, es ist Werbung, die Akzeptanz der Anrainer_innen für bauliche Veränderungen wird größer, eventuell vorhandener Widerstand kleiner, und im besten Fall erfährt die Immobilie einer Wertsteigerung, eben weil sie hip, offen, bunt,.. ist.
Auf der andern Seite ist Gentrifikation ein tendenziell unsichtbarer Prozess: Umzüge sind normal, und wer außer ein paar Freund_innen bekommt es schon mit, dass das des lieben Geldes wegen passiert, Dass das neue Lokal ein bisschen teurer ist, verwundert auch nicht, schließlich wird ja alles teurer, und die viele Bautätigkeit?-Naja, Wien versucht halt, modern zu werden!
Durch die Kunstfeste und Atelierrundgänge kann dieser Prozess zumindest teilweise sichtbar und somit angreifbar gemacht werden.

Links:
Josefinisches Erlustigungskomitee
q202
Ein alter Falterbericht, der die Gentrifikation zwar unkritisch aber gut darstellt
Auch die Grünen bloggten über die Gentrikation es Karmeliterviertels
kurze Geschichte des Judentums in Wien

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Damals und heute http://spielwiese.blogsport.de/2011/01/16/damals-und-heute/ http://spielwiese.blogsport.de/2011/01/16/damals-und-heute/#comments Sun, 16 Jan 2011 00:36:06 +0000 spielwiese Allgemein http://spielwiese.blogsport.de/2011/01/16/damals-und-heute/ „Hausiern-Betteln ausnahmslos verboten!“
gefunden in einem aufgelassenen Gasthaus im Würstlprater
„Gib dem Penner kein Geld“
gefunden auf der Rückseite des Blumenkiosk am Praterstern


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Abwertungskit gegen Gentrification http://spielwiese.blogsport.de/2010/12/06/abwertungskit-gegen-gentrification/ http://spielwiese.blogsport.de/2010/12/06/abwertungskit-gegen-gentrification/#comments Mon, 06 Dec 2010 11:47:30 +0000 spielwiese Allgemein http://spielwiese.blogsport.de/2010/12/06/abwertungskit-gegen-gentrification/ Ein nicht ganz aktuelles, aber dennoch gutes Video zum Thema Gentrification:


mehr Videos und das Abwertungskit gibt es hier.

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Heimreise http://spielwiese.blogsport.de/2010/12/02/heimreise/ http://spielwiese.blogsport.de/2010/12/02/heimreise/#comments Wed, 01 Dec 2010 23:02:04 +0000 spielwiese Allgemein http://spielwiese.blogsport.de/2010/12/02/heimreise/ Neulich besuchte ich wiedermal meine Eltern, und damit gleichzeitig den Ort, in dem ich aufegwachsen bin. Dies ist ein kleines Kaff am Lande mit weniger als 5000 Einwohner_innen.
In meiner Kindheit gab es dort 3 Parks -naja, sie hießen nicht Parks, waren aber öffentlich zugängliche und genutzte freie Flächen im Gemeindebesitz, und hatten somit eine Parkfunktion.
Der Park, der tatsächlich so genannt wurde, hatte einige Sitzgelegenheiten; in der Mitte stand ein Springbrunnen. In meiner Erinnerung war dies vor allem der Park der alten Frauen. Die Männer hatten das Wirtshaus, jüngere Frauen trafen sich eher im einzigen Cafe des Dorfes. Die Frauen, die schon in Pension waren, nutzen ihn nach Einkäufen oder bei kleineren Spaziergängen intensiv für Tratsch und Klatsch. Meine Oma war an jedem sonnigen Tag stundenlang in diesem Park, zumindest kam es mir als Kind so vor. Auch Schulkinder und die Musiker einer Rockband, die im Dorf als Sonderlinge galten, waren öfters im Park anzutreffen.
Dieser Park wurde stark zugebaut. auf der einen Seite steht nun eine Musikschule, auf der anderen eine Sparkasse mit Parkplätzen; der Springbrunnen wurde versetzt, und bildet nun das Herz eines neu errichteten Kreisverkehrs. Die Restfläche, die jetzt noch den Park bildet, wird kaum mehr genutzt. Auch die alten Frauen gibt es so im Dorf nicht mehr; viele verbringen ihren Lebensabend in einem Altersheim, und nicht mehr im Dorf.
Der zweite Park liegt zwischen dem Schwimmbad und dem Tennisplatz schon eher am Rande des Dorfes. Hier gab es ein paar Spielgeräte. Auf der leicht abschüssigen Wiese wurde gerne Fussball gespielt. Diese Fläche wurde „professionalisiert“. Jetzt gibt es dort einen Volleyballplatz, einen Baketballplatz,etc. Doch die ganze Wiese ist eingezäunt, und Zutritt haben nur noch Mitglieder des örtliches Turmvereins.
Der dritte „Park“ liegt zwischen Schule und Kirche. Genutzt wurde sie deshalb auch vor allem von der Schule und er Kirche. Hier wurde ein großer Spielplatz gebaut. Doch da dieser Ort vor allem aus Einfamileinhäuser mit Gärten besteht, und diese oft selbst Spielgeräte haben, wird dieser Spielplatz nicht allzu oft von Kindern benutzt. Öfters benutzt wird er von Judgendlichen, die im Ort praktisch keinen Freiraum vorfinden, und dies führt wiederum zu Beschwerden bei Anrainer_innen wegen Lärm, Müll und Graffitties.
Im Ort selbst wird kaum über die Veränderungen geredet; Orte verändern sich halt, das Wie? und Warum? wird kaum hinterfragt. Ich war jedenfalls überrascht, in dem kleinen Dorf die gleichen Dynamiken und Mechanismen von Privatisierung, Vertreibung, Klientelpolitik und einer Stadt-/Dorfplannung die an den Bedürfnissen der Menschen vorbeigeht, vorzufinden wie in Großstädten wie z.B. Berlin und Wien.

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