Radikale Mieter_innenbewegung in Berlin!

Berlin hat eine lange und offensive Geschichte der Hausbesetzungen und Raumaneignungen, doch es ist eben Geschichte und nicht Gegenwart. In den letzten Jahren scheiterten praktisch alle neuen Besetzungsversuche an der Berliner Linie-Räumung innerhalb von 24h. Dafür wurden einige fast schon traditionelle Squats geräumt (Brunnen 183 und Liebig 14 als bekannteste Beispiele).
Doch in letzter zeit hat sich der Fokus merkbar verschoben. Nun geht es aber nicht so sehr zum Szene –Freiräume sondern es geht darin um viel Grundlegenderes: Es geht um Miete, um das Grundbedürfnis und das Menschenrecht nach Wohnen, dass im Kapitalismus eben nur im Austausch gegen Geld, und dadurch für einige armmachend ist (und für ein paar andere unerreichbar ist). Es geht um das Schlagwort Gentrifizierung, die Vertreibung ärmerer Menschen aus gehypten Stadtviertel.
Träger*innen dieser neuen Bewegung sind vor allem Kiezinitiativen, sprich vor allem Bewohner*innen eines Viertels. Dabei treten immer wieder Akteuer*innen auf, die bislang wenig politisch aktiv waren. In letzter Zeit kommt es dabei auch zu einigen aufsehenerregenden Aktionen.
Am 26.Mai errichteten Mieter*innen des Kotti ein Protestcamp/Gecekondu. Grund ist die steigende Miete und die fehlende Mietobergrenze, was zu einer ständigen Verteierung und einer Vertreibung der alter Mieter*innen führt. Neben einem reichhaltigen Programm gibt es jeden Samstag eine Lärmdemo, die starke Unterstützung findet.
Genau die gleichen Probleme kennt Frau Nuriye Cengi. Die Rollifahrerin soll mit miesen tricks und orbitanten Mietsteigerungen aus ihrer Wohnung vertrieben werden. Zu ihrer Unterstützung hat sich ein soldarisches Bündnis unter dem Namen „Zwangsräumung verhindern!“ gebildet.
Ein anderes Camp entstand im Mai an der Cuvrybrache. Dieses Gebiet ist schon länger umkämpft. Hier sollte ein Teil der Mediaspree, eine Reihe „kreativer“ Hochhäuser entsthehen, dagegen gibt es schon lange Widerstand („Spreeufer für alle!“). Eine Räumungsankündigung der Eigentümer für den 24.Juli verstrich ohne Konsequenz- das Camp existiert weiter.
Sichtbar wurde der Widerstand auch bei einer Tagung der Immobilienwirtschaft am 18. und 19. Juni. Neben einer großen Demo wurde ein Bus, der Spekulant*innen zur ihrem Abendessen brigen sollte, mehrfach blockiert. Dazu gab es militante Begleitmusik in Form von mehreren Farbanschlägen.
Dass hier zum Teil ganz neue Akteuer*innen aktiv werden, wird vor allem bei der Besetzung der Stillen Strasse 10 in Pankow deutlich. Als Senior*innen ihr Seniorenclub wegen Einsparungen verlieren sollten, wurde dieser kurzerhand Ende Juni besetzt. Die Besetzung dauert bis heute an.
Daneben gibt es die fast schon üblichen subkulturellen Platzprobleme. Die KvU ist in ihrer Existenz (von einer Wiener Immofirma!) bedroht, womit nicht nur ein Stück Punkrock, sondern ein Stück gelbete Geschichte (die KvU spielte eine nicht unwesentliche Rolle beim Untergang des autoritären kommunstischen Gebildes DDR) verloren zu gehen droht. Auc der Wagenplatz Rummelplatz ist räumungsbedroht.