Muzeum vs Reallife

Ich hatte einige Bedenken, mir die „Besetzt!“ im WienMuseum Ausstellung anzuschauen. Es ist komisch, wenn Besetzungen mehr im Museum als in der Stadt passieren; nach der „Hands on Urbanism“ Ausstellung im AZW ist dies schon die zweite Ausstellung in diesem Jahr zum Thema Besetzungen und Raumnahme. Wenn soziale Bewegungen musealisiert und historisiert werden, wird ihnen die Gefährlichkeit und damit ihr Veränderungspotential genommen.
Im konkreten Fall wars nicht so schlimm. Zum Glück waren die Werbeplakate ein Schwindel, auf die aktuelle Besetzungsbewegungen wird so gut wie gar nicht eingegangen. Es wird fast ausschließlich die Zeit zwischen Amerlinghaus, Arena(1976) und EKH(1990) behandelt. Dabei konnte ich das eine oder andere Neue erfahren, dass ich so bislang noch nicht gewußt habe. Dass es z.B. eien Öködorf im Prater gab, war mit neu.
Die Ausstellung war großteils visuell. Das war einerseits großartig, di Menge an Fotis, Videos und Plakate machen Eindruck. Andererseits fehlten mir etwas die Diskussionen, die unterschiedlichen Zugänge zum Thema und das, was die Leute damals erreichen wollten. Ärgerlich war auch die zwanghafte Bezugnahme auf die Gegenwart. Was ein Putzplan aus dem Jahr 2011 in der Ausstellung verloren hat, wird wohl für immer ein Rätsel bleiben.
Als ich die Ausstellung verlies, kam ich in die „Schutzzone“ Karlsplatz: Unbegründetes Stehenbleiben verboten, Wegweisung durch die Polizei jederzeit möglich. Nicht ungefährlich musealisert, sondern eine reale Gefahr für die Menschen, die sich dort aufhalten. Das ist das, was blieb: Die Räumung als Dauerzustand!