Heimreise

Neulich besuchte ich wiedermal meine Eltern, und damit gleichzeitig den Ort, in dem ich aufegwachsen bin. Dies ist ein kleines Kaff am Lande mit weniger als 5000 Einwohner_innen.
In meiner Kindheit gab es dort 3 Parks -naja, sie hießen nicht Parks, waren aber öffentlich zugängliche und genutzte freie Flächen im Gemeindebesitz, und hatten somit eine Parkfunktion.
Der Park, der tatsächlich so genannt wurde, hatte einige Sitzgelegenheiten; in der Mitte stand ein Springbrunnen. In meiner Erinnerung war dies vor allem der Park der alten Frauen. Die Männer hatten das Wirtshaus, jüngere Frauen trafen sich eher im einzigen Cafe des Dorfes. Die Frauen, die schon in Pension waren, nutzen ihn nach Einkäufen oder bei kleineren Spaziergängen intensiv für Tratsch und Klatsch. Meine Oma war an jedem sonnigen Tag stundenlang in diesem Park, zumindest kam es mir als Kind so vor. Auch Schulkinder und die Musiker einer Rockband, die im Dorf als Sonderlinge galten, waren öfters im Park anzutreffen.
Dieser Park wurde stark zugebaut. auf der einen Seite steht nun eine Musikschule, auf der anderen eine Sparkasse mit Parkplätzen; der Springbrunnen wurde versetzt, und bildet nun das Herz eines neu errichteten Kreisverkehrs. Die Restfläche, die jetzt noch den Park bildet, wird kaum mehr genutzt. Auch die alten Frauen gibt es so im Dorf nicht mehr; viele verbringen ihren Lebensabend in einem Altersheim, und nicht mehr im Dorf.
Der zweite Park liegt zwischen dem Schwimmbad und dem Tennisplatz schon eher am Rande des Dorfes. Hier gab es ein paar Spielgeräte. Auf der leicht abschüssigen Wiese wurde gerne Fussball gespielt. Diese Fläche wurde „professionalisiert“. Jetzt gibt es dort einen Volleyballplatz, einen Baketballplatz,etc. Doch die ganze Wiese ist eingezäunt, und Zutritt haben nur noch Mitglieder des örtliches Turmvereins.
Der dritte „Park“ liegt zwischen Schule und Kirche. Genutzt wurde sie deshalb auch vor allem von der Schule und er Kirche. Hier wurde ein großer Spielplatz gebaut. Doch da dieser Ort vor allem aus Einfamileinhäuser mit Gärten besteht, und diese oft selbst Spielgeräte haben, wird dieser Spielplatz nicht allzu oft von Kindern benutzt. Öfters benutzt wird er von Judgendlichen, die im Ort praktisch keinen Freiraum vorfinden, und dies führt wiederum zu Beschwerden bei Anrainer_innen wegen Lärm, Müll und Graffitties.
Im Ort selbst wird kaum über die Veränderungen geredet; Orte verändern sich halt, das Wie? und Warum? wird kaum hinterfragt. Ich war jedenfalls überrascht, in dem kleinen Dorf die gleichen Dynamiken und Mechanismen von Privatisierung, Vertreibung, Klientelpolitik und einer Stadt-/Dorfplannung die an den Bedürfnissen der Menschen vorbeigeht, vorzufinden wie in Großstädten wie z.B. Berlin und Wien.