Archiv für August 2009

Solidarität mit den Besetzer_innen

Momentan wird in Wien und Umgebung ja gerade besetzt, was das Zeug hält. Da gibt es mal swn Wagenplatz, der, weil er kurz vor dem aus steht, 2 Brachflächen besetzt hat, dort verwandelte eine Bürger_inneninitiative den Augartenspitz in ein barockes Camp, hier will eine Gruppe ein Hausprojekt starten, besetzte Anfang Juni ein Haus am Naschmarkt, und kündigt zwischen 2. und 9. Oktober Aktionstage an, im Casino Baumgarten wird die Aufkündigung des Mietvertrages ignoriert, ein Haus am Arsenal und eines in Mödling wurden auch besetzt.
Neben diesen mehr oder weniger bekannten Aktionen gibt es natürlich noch einige unbekannte Aktionen: Es werden versteckte Gärten angelegt, Parties in aufgelassenen Fabrikshallen gefeiert oder Abbruchhäuser von illegalen Arbeiter_innen bewohnbar gemacht.
Da sich dieser Blog das Ziel gesetzt hat, Wien in eine Spielwiese zu verwandeln, und Bestzungen ein(er von mehreren) guter(/n) Weg(en) ist, ist vollkommen klar, dass wir uns mit den Besetzer_innen solidarisch erklären, und sie nach Möglichkeit unterstützen werden. (dank unserer bescheidenen Ressourcen ist das eh nicht allzuviel.)
Hier noch die Links zu ein paar einzelnen Projekten:
Hausprojekt
Augartenspitz
Mödling
Wagenplatz Hafenstrasse
Wagenplatz Baumgasse
( Die „feiern“ übrigens diesen Samstag ein nettes Fest, bevor sie ihren Platz verlassen müssen)

How to make XXL-Graffiti

Sitzen, Liegen, Feuer machen

Neulich brachte ich in der Früh eine Freundin zum Zug.Zum Westbahnhof. Wir tranken noch einen Kaffee, ihr Zug kam, ich wollte rausgehen, noch eine Zigarette rauchen und den Kaffee fertig trinken, bevor ich wieder nach Hause gehe. Also sucht ich eine Sitzbank, und -oh Wunder- ich fand keine. Für mich kein allzu großes Problem, ich setz mich auch auf den Boden. Aber wundern tue ich mich trotz allem. Auch auf anderen Bahnhöfen machte ich schon die gleiche Erfahrung-am Praterstern, in der Landstraße, beim Franz-Josefs-Bahnhof. nicht nur auf Bahnhöfen,fast überall in der Stadt werden Sitzplätze weniger.
Sitz- und Liegeflächen haben eine wichtige soziale Funktion. Nicht umsonst ging der Konflikt im Museumsquartier um ein Alkoholverbot auf den Sitz/Liegeflächen. Auch wenn klar ist, dass diese öffentlich-sozial-und mehr oder weniger unkontrollierten Räume überproportional von Menschen genutzt wird, die keine Wohnung oder in prekären Wohnungsverhältnisse leben, auch wenn klar ist, dass es Menschen gibt, die sich an dem so öffentlich werden von sozialen Problemen stören, so sollte auch klar sein, dass das Verschwindenlassen diese Raumes ,das alle betrifft, keine Lösung ist. Dass die sozialen Probleme dadurch nicht verschwinden, sondern im besten Fall weniger wahrgenommen werden.
Interessant in diesem Zusammenhang sind 2 Kunstprojekte: Im Bruno-Kreisky-Park wurden von Michael Kinzer Hängematten aufgespannt.Und im Garten hinter der Secession machten Pawel Althamer und andere Lagerfeuer. Es ist insofern interessant, dass es jetzt schon den Umweg über die Kunst braucht, um soziale Räume zu erschaffen.
Das Lagerfeuer ist ein starker sozialer Raum- ein Ort, wo Menschen zusammenkommen, um ihr Bier zu trinken, zu grillen, zu quatschen und zu feiern. In Wien gibt es Grillplätze auf der Donauinsel, die auf Monate voraus ausgebucht sind. Darüberhinaus gibt es sehr wenig Plätze, wo Feuer legal oder auch nur akzeptiert sind. Viel öfters passiert es, dass Polizei oder Feuerwehr einer kleiner Feier ein Ende bereiten. Und es passt ganz gut in das Bild dieser Stadt, dass es hier eine eigene „Grillpolizei“ gibt, die die „Einhaltung der Regeln beim Grillen“ überprüfen.
Und weil in dem Artikel schon genug gesudert worden ist, gibt es zum Schluss noch einen kleinen Aufruf: JedeR von uns kann soziale Räume schaffen. Einfach Decken mitnehmen, und an ungewöhnlichen Plätzen picknicken, temporäre Sitzflächen machen oder ein Lagerfeuerplatz anlegen.